Im Vereinshaus des TUS Asemissen funktioniert die Warmwasseraufbereitung nicht mehr richtig. Keine Frage, da muss etwas gemacht werden, die Duschen werden gebraucht. Und eine sparsame Lösung sollte es angesichts der Gemeindefinanzen auch sein. Aber deshalb wieder auf eine Heizung mit fossilem Brennstoff setzen? Die Entscheidung eine neue Gasheizung zu installieren, mag auf den ersten Blick günstig erscheinen. Doch hinter der Einsparung von heute verbirgt sich eine Kostenfalle für morgen. CDU und SPD haben einen Antrag der Grünen abgelehnt, der lediglich eine fachlich fundierte Prüfung moderner Alternativen forderte. Die Quittung für diese Eile werden die Bürgerinnen und Bürger von Leopoldshöhe tragen müssen.
Die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Die Verwaltung argumentiert mit einem Anschaffungspreis von 13.800 Euro für die Gastherme gegenüber rund 31.000 Euro für eine Wärmepumpe. Was dabei verschwiegen wird: Eine Heizung läuft 20 Jahre. In diesem Zeitraum wird Gas unweigerlich zum Luxusgut werden und weiter das Klima belasten. Wer heute eine Gasheizung einbaut, entscheidet sich bewusst für eine der teuersten Heizmöglichkeiten überhaupt, wenn man die gesamte Laufzeit der Anlage betrachtet.
Technik von gestern für die Probleme von heute? Das Argument, eine Wärmepumpe könne die Belastungsspitzen beim Duschen im Sporthaus nicht bewältigen, ist technisch überholt. Fachbetriebe wie eine Firma aus Detmold belegen, dass moderne Systeme mit Pufferspeichern und Frischwasserstationen genau für solche Anforderungen, ähnlich wie in Hotels, gebaut sind. Während andere Kommunen ihre Infrastruktur zukunftssicher aufstellen, flüchtet sich Leopoldshöhe in eine Technik, die bereits jetzt als Auslaufmodell gilt.
Klimaneutralität ist kein „Vielleicht“ Die Gemeinde Leopoldshöhe sowie Land, Bund und EU haben sich Ziele zur Klimaneutralität gesetzt. Mit dem Einbau einer fossilen Heizung im Jahr 2026 werden diese Ziele missachtet. Hier wird ignoriert, dass der Klimawandel und seine Schäden nicht auf politische Dekrete oder scheinbar fettere Haushaltsjahre warten. Die Klimakrise folgt der Logik der Physik und diese lässt sich nicht durch politische Beschlüsse vertagen. Während eine Wärmepumpe mit jedem Jahr durch den steigenden Anteil erneuerbarer Energien im Stromnetz sauberer wird, bleibt die Gastherme eine CO2-Schleuder bis zum letzten Tag. Eine echte Wirtschaftlichkeitsprüfung durch externe Experten, wie die Landesagentur RW.Energy4Climate, hätte gezeigt: Ökonomie und Ökologie sind heute kein Widerspruch mehr, sie bedingen einander. Diese Chance wurde vertan.
Wenn Zeitdruck zum Argument wird. Nachdem die Tagesordnung bekannt wurde, haben wir Grünen in kürzester Zeit Fach-Expertise eingeholt und Praxisbeispiele vorgestellt. Doch der CDU genügte das nicht:
Sie forderte von uns innerhalb von nur wenigen Werktagen fertige Angebote und eine komplette Langzeitanalyse. Hier wird die Verantwortung schlicht verdreht. Es ist die Kernaufgabe einer professionell arbeitenden Verwaltung, dem Ausschuss eine ehrliche Vergleichsrechnung über 20 Jahre vorzulegen, anstatt sich blind auf den kurzfristigen Anschaffungspreis zu stürzen. Von uns Grünen binnen Stunden zu verlangen, was die Verwaltung in Monaten der Vorbereitung versäumt hat, ist politisches Foulspiel. Und dieses Foul schadet nicht dem politischen Mitbewerber, sondern den Bürgerinnen und Bürgern.
Am Ende bleibt die Frage: Warum wird hier so hektisch eine Entscheidung durchgedrückt, die uns für
zwei Jahrzehnte an fossile Brennstoffe bindet? Eine echte Wirtschaftlichkeitsprüfung hätte Klarheit
geschaffen. Wer heute noch in Gas investiert, macht die Rechnung ohne das Klima und ohne die
politische Weltlage – und damit ganz sicher ohne den Wirt!
Unser Antrag zum Betriebsausschuss Gemeinde-Betriebe (BAG) am 10. März 2026
TOP 5 Erneuerung der Heizungsanlage im Vereinshaus des TuS Asemissen: Detaillierte Wirtschaftlichkeits- und Technikprüfung zur Beheizung des Vereinshauses Asemissen
Beschlussvorschlag: Die Verwaltung wird beauftragt, eine detaillierte, fachlich fundierte Gegenüberstellung der Heizungssysteme (Gas-Brennwert vs. Wärmepumpe inkl. Hybrid-Optionen) für das Vereinshaus in Asemissen vorzulegen. Diese Prüfung muss über eine reine Schätzung der Investitionskosten hinausgehen und folgende Punkte konkret mit Zahlen belegen:
– Warmwasserkonzept: Auslegung eines Speichermanagements ( Pufferspeicher/ Frischwasserstationen), das die Spitzenlast von 10 gleichzeitigen Duschen ohne dauerhaften Einsatz eines Elektroheizstabs ermöglicht.
– Fördermittelprüfung: Einberechnung von Fördermöglichkeiten für die Wärmepumpe in kommunalen Gebäuden.
– Lebenszykluskosten-Analyse: Vergleich der Betriebskosten über 20 Jahre unter Berücksichtigung der prognostizierten CO2-Preissteigerungen (BEHG) und Wartungskosten.
– Nutzungsprofil: Prüfung einer intelligenten Steuerung zur Vorheizung des Gebäudes, um die Trägheit einer Wärmepumpe mit dem diskontinuierlichen Nutzungsprofil eines Vereinshauses in Einklang zu bringen.
Begründung
Der vorliegende Beschlussvorschlag der Verwaltung greift zu kurz und basiert auf technischen Annahmen, die den aktuellen Stand der Heizungstechnik nicht vollumfänglich widerspiegeln.
1. Zum Argument der Warmwasserbereitung (10 Duschen gleichzeitig): Die Aussage, eine Wärmepumpe könne diese Last nur über einen ineffizienten Elektroheizstab abdecken, ist technisch unvollständig. Spitzenlasten im Duschbetrieb werden bei modernen Anlagen nicht über die Momentanleistung des Erzeugers, sondern über die Dimensionierung des Warmwasserspeichers bzw. durch hocheffiziente Frischwasserstationen abgefangen. Es ist rechnerisch darzustellen, welches Speichervolumen benötigt wird, um die „Stoßzeiten“ energetisch sinnvoll zu überbrücken.
2. Zur energetischen Effizienz bei unregelmäßiger Nutzung: Ein Vereinshaus wird zwar nicht konstant beheizt, jedoch ist dies kein Ausschlusskriterium für eine Wärmepumpe. Durch moderne Steuerungssoftware kann die Aufheizphase so programmiert werden, dass sie in die günstigen Zeitfenster (z.B. tagsüber bei höheren Außentemperaturen oder PV-Ertrag) fällt. Zudem ist zu prüfen, ob eine Wand- oder Deckenheizung (Niedertemperatur) in Teilbereichen die Effizienz weiter steigern könnte.
3. Zur finanziellen Darstellung: Die von der Verwaltung genannten Kosten (13.800 € Gas vs. 31.750 € Wärmepumpe) verzerren das Bild, da sie die Förderkulisse ignorieren.
4. Klimaziel 2030 : Mit dem Beschluss zur Klimaneutralität bis 2030 hat der Rat der Gemeinde Leopoldshöhe ein zukunftsweisendes Ziel gesetzt. Dieses Ziel ist jedoch nur erreichbar, wenn bei anstehenden Investitionen konsequent auf klimaneutrale Lösungen gesetzt wird. Die Erneuerung der Heizungsanlage bietet eine gute Gelegenheit, diesem Ziel einen weiteren Schritt näherzukommen. Eine Prüfung klimaneutraler Alternativen – auch im Hinblick auf langfristig tragbare Betriebskosten – würde sicherstellen, dass die Gemeinde diese Chance nutzt und ihrer Vorbildfunktion gerecht wird.
Ergänzungen zum eingereichten Antrag
Um eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu schaffen, haben wir eine
– fachliche Einschätzung der Firma Schlichting Haustechnik (Detmold) eingeholt. Als größeres Fachunternehmen verfügt die Firma über umfassende Erfahrung in der Auslegung und Installation von größeren Anlagen (Wärmepumpensysteme).
– Ein Erklärvideo der Firma Vaillant hinzugefügt.
– Vergleichbare Beispiele recherchiert und hier ergänzt.
Einschätzung der Firma Schlichting Haustechnik
Im Gespräch mit Herrn Schlichting wurde deutlich, dass die Anforderungen im Sporthaus
technisch sehr gut lösbar und wirtschaftlich sinnvoll sind. Hier sind die zentralen Punkte
seiner Einschätzung:
Folgendes hat er zu dem Anwendungsfall im Sporthaus gesagt:
– Natürlich handelt es sich bei dieser Anwendung um einen Sonderfall. Dieser ist mit der Anwendung in Hotels vergleichbar. Die Fa. Schichting hat vor kurzem ein Hotel in Detmold auf die Wärmeversorgung mittels Wärmepumpe umgerüstet.
– Technisch würde er, wie es auch in dem Verwaltungsantrag aufgeführt ist , eine Wärmepumpe mit recht großen Pufferspeichern und Frischwasserstationen wählen.
– Durch die Frischwasserstationen muss das Wasser im Speicher nicht zur Entkeimung sehr hoch erwärmt werden. Sondern nur auf ca. 50-55°C. Das ist aber wohl bei der bestehenden Anlage auch schon so und kann zumindest zum Teil weitergenutzt werden.
– Das kein kontinuierlicher Wärmebedarf vorliegt, sieht er aus folgenden Gründen nicht als grundlegenden Nachteil sondern ggf. sogar als Vorteil:
– – Bei einem ausreichend großen Speicher muss dieser nicht direkt nach der Abnahme von Warmwasser z.B. nach einem Spiel wieder erwärmt werden.
— Die Erwärmung kann dann erfolgen, wenn Strom günstig zur Verfügung steht.
— Dies kann erfolgen durch die Nutzung von
-> variablen Stromtarifen,
-> von Wärmepumpenstrom oder
-> eigenerzeugtem Solarstrom.
– Aus wirtschaftlicher Sicht sieht er langfristig deutlich die Wärmepumpe im Vorteil. Die Anlagenkosten sind zwar zunächst deutlich höher, das relativiert sich aber durch die eingesparten Energiekosten. Hier ist wichtig zu beachten, dass wir über Anlagenlaufzeiten von bis zu 20 Jahren sprechen. Viele Prognosen gehen davon aus, dass sich die Diskrepanz zwischen den fossilen Brennstoffen und Elektrizität in diesem Zeitraum deutlich vergrößern wird.
– Um eine fundierte Aussage zu machen würde die Fachfirma noch zusätzliche Infos benötigen. Damit könnte dann aber eine Anlage auslegt und die Wirtschaftlichkeit betrachten werden.
Erklärungsvideo von Vaillant Deutschland
Das beigefügte Video zeigt ein bereits realisiertes Projekt (SpVgg Reichertshofen), bei dem
eine Wärmepumpe in Kombination mit einem 1.000-Liter-Speicher [01:53] installiert wurde.
Dort werden über 80 % des Energiebedarfs CO2-neutral über die Wärmepumpe gedeckt
[02:29]. Dies belegt, dass die von der Verwaltung geäußerten Bedenken in der Praxis längst
durch effiziente Systeme gelöst sind.
Praxisbeispiele und Referenzen
Um zu verdeutlichen, dass Wärmepumpensysteme in vergleichbaren Projekten umgesetzt
wurden, verweisen wir auf folgende Referenzprojekte:
– Schule & Sportanlage (Kombination WP + Pellets): Zeigt die erfolgreiche Integration
in komplexe Gebäudestrukturen. Link zum Projekt Bellikon (PDF)
– Sport & Wellness mit Sauna (Hybrid-Lösung WP + Gas): Belegt die Zuverlässigkeit
bei extrem hohen Warmwasser-Anforderungen (Saunabetrieb). Link zum Projekt
Sauter (PDF).
– Schulsporthalle (Kaskaden-Lösung / Wärmepumpen-Kette): Demonstriert, wie durch
die Zusammenschaltung mehrerer Wärmepumpen hohe Leistungen sicher erbracht
werden. Link zum Projekt Ochsner.
Fazit
Die pauschale Ablehnung der Verwaltung ist angesichts der existierenden Referenzobjekte
und der fachlichen Einschätzung von spezialisierten Betrieben wie Schlichting Haustechnik
fachlich nicht haltbar. Wir sollten hier als Gemeinde die Chance nutzen einen Schritt in
Richtung des vom Rat beschlossenen Ziels der Klimaneutralität bis 2030 zu machen. Wir
regen daher dringend an, externe Expertise vom Land NRW (z. B. Über NRW.Energy4Climate) und von auf dem Gebiet erfahrenen Fachleuten einzuholen, bevor eine Entscheidung getroffen wird, die uns für die nächsten 20 Jahre an fossile Energieträger bindet.